Rückblick BEA Kaltbluttag, Sonntag, 17. Ma 2009

Vom 15. - 25. Mai war es wieder so weit und die bedeutendste Pferdemesse der Schweiz öffnete in der Haupstadt Bern ihre Tore. Nebst den täglichen Rassenshows fanden auch Themenspezifische Schwerpunkttage statt.

Bereits am dritten Tag waren die Kaltblüter zu Gast. Der Verein Freunde Schwerer Zugpferde und Shirehorses Schweiz haben es geschafft, ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm zusammen zu stellen. Für diesen Tag reisten über 30 Kaltblutpferde verschiedenster Rassen mit ihren Besitzern aus der ganzen Schweiz nach Bern. Ziel dieses Tages war es, einem breiten Laien- und Fachpublikum die liebenswerten Dicken näher zu bringen und die erstaunlich grosse Zahl an verschiedenen Kaltblutrassen in der Schweiz aufzuzeigen.

Das Programm in der grossen Arena startete dann auch mit der Rassenshow. Vertreter von 12 verschiedenen Rassen wurden an der Hand vorgestellt, um so dem Publikum aufzuzeigen, dass Kaltblut nicht gleich Kaltblut ist. Von den Schwarzwäldern und Comtois ging es über Noriker, Ardenner zu Shire, Clydesdales, Percheron und Belgier. Auch in der Schweiz seltenere Rassen wie Bretone, Rheinisch westfälisches Kaltblut usw. waren zu sehen. Damit nicht nur Unterschiede in Grösse und Farbe auffielen, stand in der Arena eine Pferdewaage, wo der eine oder andere "Dicke" sein Gewicht offenbarte.

In einem nächsten Programmpunkt konnten die Zuschauer sich von der Vielseitigkeit der Dicken überzeugen. Jetzt zeigten die Kalten, was sie können. Vor der Kutsche, unter dem Englisch-, Western oder Bastsattel, bei der Bodenarbeit, am langen Zügel, beim Holzrücken oder vor landwirtschaftlichem Gerät konnte eine breite Palette an möglichen Verwendungszwecken bestaunt werden. Natürlich fehlten auch die prächtigen Brauereigespanne nicht.

Im anschliessenden Showprogramm wurden sie nochmals gross rausgebracht. Aufmerksame Zuschauer bemerkten schnell, dass das eben noch eingespannte Pferd sich nun unter dem Sattel präsentierte oder der am Morgen noch nervöse Vertreter in der Rasseshow nun gelassen sein gewohntes Arbeitsprogramm zeigte. Für viel Heiterkeit sorgte die spontan zu Stande gekommene Nummer als zwei Pferde den Reitplatzplaner durch die Arena zogen.

Als fröhliche Einlage sah man die eindrucksvolle Percheronstute Malachite beim Seilziehen. Musste sie sich zuerst gegen eine Gruppe Jungschwinger beweisen, konnten sich in einem zweiten Durchgang mutige und kräftige Zuschauer von der Kraft eines Pferdes überzeugen.

Für einen Grossteil der Pferde und ihre Besitzer war so ein Tag absolutes Neuland. Umso beeindruckter kann man von der gezeigten Leistung sein.

Andrea Schuler

 

Fotos gibt's erst mal hier zu bestaunen:

bei www.pferde-aufnahmen.ch oder www.horsegallery.ch.vu

Persönlicher Erlebnisbericht von Andrea Schuler

Bereits am Samstagmorgen ging es los. Schnell noch mal die Ausrüstung überprüfen und noch einmal mit dem Lappen über das Leder fahren. Ich blicke mich um und stelle fest, dass ein Stallwechsel nicht weniger Aufwand bedeuten würde. Da hängt das Geschirr, der Sattel, diverse Kopfstücke, Halfter, Stricke, Decken, Putzzeug und und und. Sollte ich noch ein Ersatzzügel mitnehmen oder würden zwei reichen? Hilfe, der Tränkeeimer muss auch noch mit! Irgendwann beschloss ich, dass es jetzt reicht, ich das wichtigste habe und im Notfall mir bestimmt jemand aushelfen würde. Ausserdem fahren wir an eine Pferdemesse, da lässt sich vielleicht sogar etwas nachkaufen, wenn es denn erforderlich sein sollte. Allerdings ist man als Kaltblutbesitzer immer etwas skeptisch was diesen Punkt betrifft. Die wenigsten Ausrüster sind auf Dicke eingestellt.

Wie auch immer, nach und nach verschwand alles Material im Auto, die Ausweise, Billette und Karten wurden zum Hundertsten mal auf Vollständigkeit überprüft, noch schnell die Kleider und den Schlafsack dazu und los gings. Ähm ja, vielleicht wäre es noch angebracht das Pferd einzuladen. Der Dicke mümmelt derweil, völlig unbeeindruckt von dem drohenden Nervenzusammenbruch seiner Besitzerin, in seiner Box am Heu. Nun aber einladen und los geht`s nach Bern.

Mittlerweile ist es später Nachmittag. Dank einer Baustelle just vor dem Messegelände machten wir eine schöne Rundfahrt drum herum. Nette Vereinskollegen welche sich nun aus der ganzen Schweiz mit ihren Gespannen einfanden, waren dann unsere Rettung. Naja, das mit dem richtigen Eingang müssen wir noch üben aber hei, wer hatte schon das Vergnügen in einem Hängerkonvoi mitten durch das BEA Gelände zu fahren. Danach ging alles tip top.

Das Stallzelt war gut vorbereitet und das Stallpersonal sehr nett und zuvorkommend. Die meisten Pferde fühlten sich gleich heimisch, einige waren noch etwas aufgeregt und die Hengste mussten natürlich das Geschehen auf der Stallgasse kommentieren. Nachdem Pferd, Ausrüstung und Auto verstaut und sicher untergebracht waren, war ich doch neugierig auf unsere Unterkunft. Mit dem "Shuttle" ging es in die unterirdische Zivilschutzanlage, welche auf den ersten Blick doch sehr verwirrend war. Unser Führer riet uns noch, uns ja nicht zu verlaufen.
Jetzt war es höchste Zeit für den gemütlichen Teil. Schliesslich hat man einige der Vereinskameraden schon lange nicht mehr gesehen und es gab viel zu diskutieren, zu erfahren oder einfach nett zusammen zu sitzen.

Die Nacht in der Unterkunft war für einige sehr kurz und es geht das Gerücht um, dass diejenigen, welche sich einfach ins Strohlager gelegt haben, deutlich besser geschlafen hätten, weil es ruhiger war. Auch das eine oder andere Pferd war am Morgen etwas übernächtigt. Ob sie wohl auch die aktuellsten Neuigkeiten unter einander ausgetauscht haben?

Nach einem ausgiebigen Frühstück (oder auch schon vorher) stand kurz die Arena zum abreiten zur Verfügung. Also Pferd parat machen und schon mal durch die noch verschlafene Messe zur Arena reiten. Leider waren die Umbauarbeiten noch nicht beendet, so dass das mit dem Abreiten eher mager ausfiel. Da mein Pferd auch zu den übernächtigten Kandidaten zählte, nahm er alles ruhig und gelassen. Nach einem kurzen Briefing wo nochmals alle über den Verlauf des Tages orientiert wurden, blieb ein wenig Zeit sich die anderen Pferde und die Messe-stände anzuschauen. Es war nett einige bekannte Gesichter wiederzusehen und mit den Ausstellern zu fachsimpeln. Leider reichte die Zeit nicht um sich die anderen Shows und Darbietungen anzuschauen. Schon eilte es mit umziehen (glücklicherweise wurden die neuen Vereins-hemden rechtzeitig fertig) und Pferde herrichten.

Zuerst kam die Präsentation an der Hand. Ich war mittlerweile zum Zerspringen nervös, aber es machte auch unheimlich Spass dabei zu sein. Es blieb sowieso keine Zeit um lange darüber nachzudenken, schon ging es in die Arena. Stolz präsentierte ich mein gelassenes Pferdchen, welcher sich weder von Publikum, Videoleinwand oder der Geräuschkulisse besonders beeindruckt zeigte. Kaum haben wir die Arena betreten war es auch schon wieder vorbei und die nächste Rasse hatte ihren Auftritt. Wieder blieb keine Zeit, mussten wir doch einschirren und ins NPZ rüber um unsere Kutsche zu holen. Ich war froh die Leinen übergeben zu können und nur Beifahrer zu sein. Zurück auf der Messe waren wir auch schon dran. Die Zuschauerränge waren voll besetzt und das Publikum freundlich. Nach einigen Runden mit der Kutsche durch die Arena war es wieder Zeit für den nächsten Programmpunkt. Für uns hiess es wieder durch die Menge und den Verkehr hindurch ins NPZ, ausspannen, zurück aufs BEA Gelände. Die beiden Pferde nahmen den ganzen Trubel immer noch gelassen, so als würden sie das jeden Tag machen. Ich konnte es kaum fassen wie glatt alles lief. Kaum zurück in der Box mussten wir den Dicken einflechten und Satteln, es ging auf den letzten Programmpunkt für uns zu. Diesmal würde ihn meine Kollegin geritten in einer Quadrille vorstellen. Die Truppe hatte nur dreimal üben können, da die Mitwirkenden über die halbe Schweiz verstreut waren. Zur allgemeinen Verwirrung verwechselte der DJ auch noch die Musiktitel. Aus der Quadrille wurde eine Improvisation, aber die Beteiligten meisterten die Panne grossartig. Inzwischen hatte mein Pferd wohl doch etwas genug von dem ganzen und probierte ob er im Galopp nicht durch den Vorhang entwischen konnte. Die Situation war aber schnell wieder im Griff und den meisten Zuschauern fiel es nicht einmal auf. Inzwischen hatten sich auch schon etliche von ihnen auf den Heimweg gemacht und so war es nicht schlimm, dass das gesamte Programm etwas früher fertig war als ursprünglich geplant. Zum grossen Schlussauftakt versammelten sich nochmals alle Mitwirkenden mit ihren Pferden in der Arena, bevor sie sich wieder in alle Himmelsrichtungen mit ihren Pferden aufmachten.

Es war ein super schönes Wochenende mit netten Kameraden und Pferden. Auch wenn kaum Gelegenheit war die anderen Darbietungen zu sehen bin ich doch froh und zufrieden dass es scheinbar allen gut gelaufen ist und sich der Aufwand gelohnt hat. Ein herzliches Dankeschön der Organisatoren vom Verein und der BEA Pferd, den Vereinskollegen und den Pferden.